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RSSPrint
Denkmal für die Gefallen der Weltkriege

Entwurf für das Kriegerdenkmal (in der Kirche)

Im Vorraum der Kirche befindet sich das Gipsmodell für den 1. Entwurf zum Kriegerdenkmal für die Ge-fallenen aus dem 1. Weltkrieg. Dieser Entwurf stammt Professor Walter Hausschild (Berlin) aus dem Jahr 1921. (im Vorraum angebracht 1923)
Der Bildhauer Fritz Richter-Elsner (Berlin-Friedrichshagen) deutet das Motiv so:
„Der gekreuzigte Heiland breitet seine Arme aus wie zur Aufnahme aller Mühseligen und Beladenen. Er schaut auf zwei Gruppen hinab, die unter seinem Kreuze stehen, Trost und Beistand von ihm hei-schend. Die erste Gruppe ein gebeugtes Ehepaar. Der Vater den Blick zu Boden wendend, tief er-schüttert über den Verlust eines lieben Sohnes, vielleicht auch mehrerer Söhne; die Mutter den Schleier lüftend und den Blick voll erhebend zu dem Heiland, der ihr das Haupt zuneigt vom Kreuzes-stamm und sie gleichsam tröstet mit den Worten: „Weib, weine nicht, dein Sohn ist nicht vergeblich gestorben.“ Die andere Gruppe stellt zwei Kriegsteilnehmer dar. Der jüngere, erschüttert den Blick senkend im Andenken an die tapferen Kameraden, die ihr junges, blühendes Leben im blutigen Ringen hingeben musst, wird von dem älteren gereiften Mitkämpfer hingewiesen auf den Heiland der auch sein Leben für uns in den Tod gegeben hat, damit wir leben und selig werden könnten.“

Kriegerdenkmal nach 1922 neben der Kirche

Im Februar 1922 entschied sich der Denkmalausschuss mit 14 zu 6 Stimmen (bei 5 Enthaltungen) für den 2. Entwurf des Bildhauers Richter-Elsner. Als Begründung wurde dem Bildhauer genannt: „dass… der Gesamteindruck des Denkmals, weil eine reine Krieger-Ehrung, ein stärkeres dominierendes Zei-chen zum Hinweis auf den Krieger haben müsste.“  Am 28. November 1922 erfolgte die Denkmalswei-he.
Unter dem Soldaten ist der Spruch zu lesen: „Der alte Gott lebt noch“. Damit wird der Reitergeneral Zieten zitiert, der diese Worte zu Friedrich den Großen nach der verlorenen Schlacht bei Kunersdorf gesprochen hat. Zu hinterfragen ist, welches Gottesverständnis dadurch sichtbar wird.
Sicherlich spricht der Bildhauer Fritz Richter-Elsner von Hoffnung, die sich in dem Denkmal ausdrücken soll. Andererseits aber auch von der „Gestalt des heldenhaften Reckens - ein Zeichen der physischen und psychischen Kraft…, die sich nicht unterkriegen lässt“.

Friedrichshagen


Das Original des nach dem Entwurf von Prof. Haus-schild geschaffenen Denkmals steht heute auf dem Friedhof von Berlin-Friedrichshagen.

 

Denkmal neben der Kirche heute

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Figur des Soldaten und der Spruch im Kranz entfernt. Die Platte mit der Soldatenfigur wurde auf dem Kirchhof vergra-ben. Zum Zeichen der Klage und als Mahnung kam 1948 an diese Stelle ein Kreuz. Das Kreuz von Golgatha zeigt uns, wie unerlöst die Welt ist. An das Kreuz können wir unsere Klage und Fragen tragen. Das Kreuz mahnt uns Menschen allerdings auch uns nicht selbst zum Erlöser zu machen. Denn diese Überheblichkeit hat zum Kreuz von Golgatha und zu den vielen Kreuzen auf den Schlachtfeldern geführt.

Namen der Gefallenen in der Kirche

Die Evangelische Kirchengemeinde schuf im November 1954 zum 150-jährigen Jubiläum der Kirche eine Gedenkhalle der Gefallenen der beiden Weltkriege im Vorraum der Kirche.  Die 29 Tafeln mit den 568 Namen der Gefallenen beider Weltkriege wurden durch den Malermeister Erich Woschech aus Burg angebracht. Jeder einzelne Namen steht für  einen Menschen der Gemeinde, sein Leid und das Leid seiner Familie.
Betroffen von der Vielzahl der Namen stehen täglich Besucher der Kirche an diesem Ort und halten inne.

Was brauchen wir zum Erinnern und zur Mahnung?

Im Jahr 1992 wurde die Platte mit dem Soldatenrelief auf dem Kirchhof ausgegraben und auf ein Privatgrundstück verbracht. Es entstand bei einzelnen Einwohnern der Wunsch das Kriegerdenkmal wieder wie 1922 herzurichten und die über 50-jährige Geschichte rückgängig zu machen.
Der Gemeindekirchenrat entschied im Jahr 2010, dass der Krieger nicht wieder am Denkmal ange-bracht wird. Das Kreuz kann durch keinen Krieger ersetzt werden. Es geht bei dem Erinnern und Mahnen um konkrete Menschen mit ihren Namen. Gerade in der jetzigen Zeit, in der nationalsozialisti-sches Gedankengut wieder lauter wird, setzt das Kriegerrelief aus dem Jahr 1922 ein falsches Signal und dient nicht dem Frieden.

Das Angebot der Kirchengemeinde, den Soldaten in die Gedenkhalle neben dem ersten Entwurf des Kriegerdenkmals aufzustellen oder einen anderen Ort, z.B. auf dem Friedhof neben der Gedenkstätte der Gefallenen zu wählen, wurde von der Gemeindevertretung abgelehnt.

In seiner jetzigen Gestalt ist das Denkmal ein Ergebnis unserer Geschichte und mahnt gemeinsam mit den Gedenktafeln im Vorraum der Kirche.
Die Evangelische Kirchengemeinde Burg lädt zur Erinnerung an das Leid und die Schrecken beider Weltkriege und zur Mahnung durch die Gedenkhalle in der Kirche und Gottesdiensten zu Buß- und Bettag und Volkstrauertag ein.

Michael Heimann, Pfarrer
Burg, 27.7.2017

Aus der Sitzung der Gemeindevertretung der Gemeinde Burg (Spreewald) am 15.3.2017

TOP 4: Einwohnerfragestunde:

Folgende Fragen stellte ich bzw. folgende Stellungnahme gab ich (Pfr. M.Heimann) ab:

„In der Tagesordnung für heute lese ich, dass es um die Errichtung des Kriegerdenkmals auf dem Grundstück Flurstück 468 geht.

Bisher dachte ich, es geht um die Aufstellung des Soldatenreliefs. Geht es jetzt um mehr? Soll ein neues Kriegerdenkmal geschaffen werden?

Weiter frage ich Sie alle einzeln: Haben Sie sich mit den Alternativmöglichkeiten in der Kirche oder an der Gedenkstätte auf dem Friedhof linker Hand vertraut gemacht? Ich gebe Ihnen jetzt ein Foto des Ehrenhains rum, an dessen Eingang ich mir gut das Bildnis vorstellen könnte.

Ich kann es nicht verstehen, dass der Förderverein moderierte Gespräche zu dem Geschehen abgelehnt hat und Sie dies mittragen. Seit März 2010 ist bekannt, dass die Kirchengemeinde eine Komplettrestaurierung des Kriegerdenkmals nicht verantworten kann.

Wir tragen zur friedenspolitischen Erziehung hohe Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, die richtigen Zeichen zu setzen.

Wenn, wie am Freitag des Heimatfestes vorigen Jahres ein Auto mit jungen Männern durch das Dorf fährt, sie die Arme rausstrecken und Sieg Heil rufen – dann beunruhigt mich das. Ebenso, wenn Grundschüler in hoher Wertschätzung von Adolf Hitler reden. Es ist unsere Aufgabe deutlich zu machen, wohin der Nationalsozialismus geführt hat. Der fehlende Soldat auf dem Sockel ist die Folge des Krieges. Wir können nicht nahtlos an die Zeit vor 1945 anknüpfen.

Worum geht es Ihnen?
Geht es Ihnen um Gedenken und Mahnen? Dann können wir das gern gemeinsam mit den bestehenden Gedenkstätten und mahnenden Orten tun. Oder geht es um die Demonstration von Macht?
Im Einvernehmen mit mir und der Kirchengemeinde, wird dieses Denkmal auf dem Platz vor der Kirche nicht aufgestellt. Ich empfinde dies als Provokation und appelliere an Ihr Gewissen und Ihre friedenspolitische Verantwortung gegenüber Bürgern und Kinder in der Gemeinde.“ (M.Heimann)

 TOP 6: Errichtung des Kriegerdenkmals auf dem Grundstück Flurstück 468 der Flur 23 in der Gemarkung Burg – Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens – Wiedervorlage Drucks.-Nr.: 02/16/74

Innerhalb von 3 Minuten ohne Diskussion und nur mit einer Wortmeldung wurde die Aufstellung des Denkmals gegenüber dem Eingang zum Pfarrhaus beschlossen.

Michael Heimann, Pfarrer

Letzte Änderung am: 22.12.2017